Klassiker aller Teamübungen: Der Zauberstab

Absoluter Klassiker zum Warm-Up jeglicher Team-Aktivitäten und oft zuerst belächelt, aber es steckt deutlich mehr dahinter, als man zunächst einmal sieht. Für den Teamtrainer und die Führungskräfte zeigen sich sehr schnell die verschiedenen Eigenschaften und Charaktere der Teilnehmenden und es bildet sich eine gute Grundlage für die Reflexion und zum Etablieren einiger Regeln für die weitere Schulung oder das Outdoortraining.
Zunächst aber mal zum Ablauf: Die Teilnehmer stellen sich zu einer Gasse auf, so dass jeweils die Hälfte Schulter an Schulter steht und ihnen gegenüber bildet die andere Hälfte ebenso eine Reihe in ca. einem Meter Abstand. Daraufhin kommt die Anweisung, die Ellenbogen am Körper zu halten und die Unterarme nach vorne in die entstandene Gasse auszustrecken, eine Faust zu machen und dann beide Zeigefinger auszustrecken.
Nun werden die beiden Reihen gebeten so nah aneinander zu kommen, dass jeweils ein Zeigefinger von links und einer von rechts kommt und die Finger somit eine Art Reißverschluss bilden. Erst jetzt werden die Regeln der Aufgabe erklärt: Der Trainer kündigt an, einen Zauberstab (eine Zeltstange oder etwas ähnlich Leichtes) auf die ausgestreckten Finger zu legen. Die Regeln seien denkbar einfach, die Stange muss auf dem Boden abgelegt werden, dabei darf die Stange nur mit dem absolut gestreckten Finger von unten berührt werden und als Besonderheit kommt noch hinzu, dass sie jederzeit von unten berührt werden muss.
Dann legt der Teamtrainer den Stab auf die Finger, geht sicher, dass alle Finger von unten berühren und gibt die Übung frei.
Nicht selten steigt der Zauberstab nächst einmal in die Höhe und die Diskussionen beginnen. Üblicherweise dauert es einige Minuten, bis das Team eine Strategie zu finden, um den Zauberstab langsam in Richtung Boden zu bringen.
Wie das Team das für gewöhnlich löst, soll jetzt hier nicht das Thema sein, sondern viel mehr was an dieser sehr simplen Übung zu beobachten ist und warum man sie einsetzt. Zunächst einmal öffnet es ein wenig die Akzeptanz von kommenden Teamübungen, da ein gewisser Aha-Effekt nie ausbleibt. Die vermeintlich einfache Aufgabe etwas gemeinsam auf den Boden zu legen, führt dazu, dass zunächst die Stange erstmal in die Höhe geht und die Kleinsten kaum noch rankommen. Die Erkenntnis, dass es offensichtlich nicht reichen wird, die angesagten Übungen einfach abzuarbeiten, sondern durchaus auch bei kleineren Aufgaben Planung und eine gemeinsame Strategie von Nöten sind.
Neben den Erkenntnissen für das Team, sind die Erkenntnisse für die Beobachter noch viel wichtiger. Wer gibt den Ton an? Wer sagt gar nichts?
Dazu kommt noch, wer hält die Regeln korrekt ein, berührt also jederzeit die Stange (mit der Gefahr, dass man sie dann selbst auch leicht nach oben drückt) und wer stiftet andere offen an, die Regeln und Vorgaben nicht zu genau zu nehmen. Werden Kollegen für Misserfolg oder Verzögerungen verantwortlich gemacht, die Augen verdreht oder laut geseufzt?

Durch die räumliche Enge und eine möglicherweise unbequeme knieende Position, wenn es Verzögerungen auf halben Weg nach unten gibt, steigt zudem der Stressfaktor bei manchen Menschen extrem an und durch das eingebunden sein in das Gesamtsystem Zauberstab ist es nur schwer möglich für diejenigen sich der Situation gänzlich zu entziehen. Aus diesen Gründen kann man sehr gut innerhalb von Minuten sehen, wie die einzelnen Individuen in stressigen, unangenehmen Situationen reagieren, das kommende Training darauf auslegen und möglicherweise mit den Führungskräften beraten, ob ähnliche Verhaltensweisen im Arbeitsumfeld auch auftauchen. In den meisten Fällen ist dies der Fall, da unsere Copingmechanismen bei Stress häufig tief verwurzelt und universal sind, unabhängig davon, was den Stress auslöst.

Zusammenfassend lässt sich also sagen, der Zauberstab ist eine kleine, schnelle Warm-Up-Übung für Teams, in der aber jede Menge steckt und die allen Seiten sehr viele Einblicke geben kann, wenn sie richtig anmoderiert und durchgeführt wird. Man lernt das Team sehr schnell kennen in den unterschiedlichsten Kategorien, von der Empathie über die bevorzugten Sprachebenen bis hin zur Regelbefolgung und teaminternen Sanktionierung von Verstößen.

Bild und Infos von unserem Teambuilding Partner DOYOUMIND aus Karlsruhe. Direkt zu Teamtraining und Mitarbeiterentwicklung.